 |  Arbeitslosigkeit
Arbeitslosigkeit bezieht sich auf alle Menschen im arbeitsfähigen Alter (15/19-60/65 Jahre), die keine bezahlte Arbeit verrichten bzw. nicht als Selbstständige arbeiten, sich aber auf dem Arbeitsmarkt als Arbeitsuchende anbieten. Arbeitslosigkeit ist kausal eng verknüpft mit Armut und eines der drängendsten Entwicklungsprobleme.
Von den beiden Formen der Arbeitslosigkeit, der offenen, die von den nationalen Statistiken erfasst wird, und der versteckten/verdeckten Arbeitslosigkeit, bei der die Arbeitskraft eines Beschäftigten nur z. T. genutzt wird (Unterbeschäftigung), ist letztere in den Entwicklungsländern am stärksten verbreitet.
Unter den verschiedenen Formen von versteckter Arbeitslosigkeit treten am häufigsten auf:
o Saisonale Arbeitslosigkeit (in ländlichen Gebieten): Das Arbeitskräftepotenzial wird nur während der Aussaat/Bodenbestellung und der Ernte voll genutzt.
o Zyklische Arbeitslosigkeit: Der Beschäftigungsgrad/-anteil schwankt, d. h. er passt sich der Güternachfrage an (vor allem bei Exportkulturen, aber auch im informellen Sektor der Städte).
o Strukturelle/stationäre Arbeitslosigkeit: Unterbeschäftigung mithelfender Familienangehöriger, vor allem in der kleinbäuerlichen Subsistenwirtschaft und Unterbeschäftigung im informellen Sektor, insbesondere in den Städten. Die Möglichkeiten, Einkünfte zur Befriedigung der Grundbedürfnisse aus informeller Arbeit zu erzielen, sind strukturell eingeschränkt/begrenzt.
Seit den 80er-Jahren hat sich das Ausmaß der Arbeitslosigkeit aus mehreren Gründen verschärft, u. a.:
o Anstieg der Zahl der Erwerbsfähigen durch starkes Bevölkerungswachstum, mit dem die Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes nicht Schritt halten konnte.
o Die Senkung der Arbeitsintensität in der Produktion durch die rasante Entwicklung des industriellen Sektors (Rationalisierung durch technologische und organisatorische Innovationen, Massenproduktion) löste in den städtischen Industriezentren/-regionen einen starken Beschäftigungsdruck aus. Aus diesem Grunde wuchs auch die Arbeitslosigkeit in den Transformationsländern und in den Industrieländern.
o Vorübergehend (vor allem in den 80er- und frühen 90er-Jahren) sorgten Strukturanpassungsprogramme des IWF und der Weltbank in vielen Entwicklungsländern für einen Anstieg der Arbeitslosigkeit.
Die ILO (International Labour Organization) schätzt (2002), dass ein Viertel der Weltarbeitskraft entweder arbeitslos (160 Mio.) oder unterbeschäftigt (750-900 Mio.) ist.
Ein grundlegender Unterschied zur Arbeitslosigkeit in Industrieländern besteht darin, dass in den Entwicklungsländern keine oder nur ansatzweise Sozialversicherungen bestehen. Ursache für die Arbeitslosigkeit in Entwicklungsländern ist in erster Linie die starke Abwanderung vom Land in die Städte, weil die Landwirtschaft die wachsende Bevölkerung nicht mehr ausreichend ernähren kann. In den Städten reicht das Arbeitsplatzangebot bei weitem nicht aus, um die Masse der Zuwanderer beschäftigen zu können.
|  |
 |