Entwicklungspolitik / A / Armut
Kleines Lexikon von A bis Z



Abhängigkeit, strukturelle


Abkoppelung (Dissoziation)


ADLAF (Arbeitsgemeinschaft Deutsche Lateinamerika-Forschung)


Arbeitsgemeinschaft Deutsche Lateinamerika-Forschung (ADLAF)


Adveniat


AFDB (auch ADB - African Development Bank)


Afrikanische Entwicklungsbank (AFDB)


AFTA (ASEAN Free Trade Area)


Asiatische Freihandelszone (ASEAN Free Trade Area; AFTA)


Agenda 21


Agrarreform


AIDS (engl. aquired immune deficiency syndrome = erworbenes Immunschwächesyndrom)


Akkulturation


Akkumulation (Kapitalbildung)


AKP-Staaten *


Aktionsprogramm 2015


Aktionsgruppen, entwicklungspolitische


Allgemeine Erklärung der Menschenrechte


Allgemeines Präferenzsystem


Alphabetisierung


Amnesty international


Analphabeten/Analphabetismus


Andenpakt/-gemeinschaft


Angepasste Entwicklung


Angepasste Technologie


Apartheid


APEC (Asian Pacific Economic Cooperation)


Asian Pacific Economic Cooperation (APEC)


Arabische Liga


Arbeitslosigkeit


Arbeitsteilung, weltwirtschaftliche/internationale


Armut


Artenschutz


ASEAN (Association of South-East Asian Nations)


Association of South-East Asian Nations (ASEAN)


Assoziierung


AU (Afrikanische Union)


Afrikanische Union (AU)


Außenhandelstheorie


Außenhandelspolitik


Autozentrierte Entwicklung


Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen (General Agreement on Tariffs and Trade; GATT)

Armut

Absolute Armut
Armut ist das zentrale Problem von Unterentwicklung und weltweit verbreitet. Während absolute Armut in den Industrieländern (noch) ein Minderheitenproblem darstellt, ist sie in den Entwicklungs- und Transformationsländern eine Massenerscheinung. In mehr als 40 Ländern lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Sie wird von der Weltbank derzeit bei einem Jahreseinkommen von 370 US-$ angesetzt.

Aufgrund ihrer vielfältigen von Land zu Land unterschiedlichen Erscheinungsformen ist "Armut" jedoch nicht eindeutig definierbar. Eine in der Sprache einfache, in der Sache überzeugende Definition hat der damalige Weltbankpräsident Robert McNamara in seiner 1973 in Nairobi gehaltenen Rede gegeben: "Absolute Armut ... ist durch einen Zustand solch entwürdigender Lebensbedingungen wie Krankheit, Analphabetentum, Unterernährung und Verwahrlosung charakterisiert, dass die Opfer dieser Armut nicht einmal die grundlegenden menschlichen Existenzbedürfnisse befriedigen können ... Hunderte Millionen Menschen in den Entwicklungsländern ... leiden unter diesen unmenschlichen Lebensbedingungen" ...

Armut ist nicht nur allein ungenügende Versorgung mit lebenswichtigen Gütern und Dienstleistungen, sondern auch Ausschluss aus den meisten Bereichen des gesellschaftlichen und politischen Lebens, d. h. Entzug von Chancen zu einer eigenverantwortlichen Lebensgestaltung.

Wichtige Indikatoren zur Bestimmung von Armut sind außer dem unter der Armutsgrenze liegenden Jahreseinkommen: Hunger, Unter- und Mangelernährung, schlechter Gesundheitszustand und Krankheitsanfälligkeit, geringe Lebenserwartung, hohe Säuglings- und Kindersterblichkeit, niedriger Bildungs- und Ausbildungsstand sowie mangelhafter Zugang zu Bildungseinrichtungen, Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung, menschenunwürdige Wohnverhältnisse, Obdachlosigkeit, unzureichende Bekleidung, Entwurzelung und Ausschluss von traditionellen Sozialstrukturen.

Armut hat sowohl interne als auch externe Ursachen. Als interne (nationale, regionale, lokale) Ursachen gelten: Ungleiche Bodenverteilung, zunehmende Besitzzersplitterung (z. B. durch starkes Bevölkerungswachstum), geringe/fehlende Kreditfähigkeit, unzureichende staatliche Gesundheitsversorgung und Bildungsangebote, festgeschriebene hierarchische (ungleiche) soziale Ordnungssysteme (z. B. Kastensystem, feudalistische Strukturen in der Landwirtschaft, z. B. in Lateinamerika), unzureichende Erwerbsmöglichkeiten im nichtlandwirtschaftlichen Sektor und daraus resultierend fehlende Kaufkraft, Ausschluss von Modernisierungsmaßnahmen und gesellschaftlicher Mitbestimmung.

Externe Ursachen sind u. a.: Massive Rüstungsimporte, Behinderung von Agrarexporten der Entwicklungsländer durch die Industrieländer (z. B. durch protektionistische Maßnahmen), niedrige und schwankende Preise auf den Weltrohstoffmärkten, hohe Schuldendienstverpflichtungen vieler Entwicklungsländer, Niedrigpreise für Agrarprodukte aus Industrieländern und unangepasste Nahrungsmittelhilfe, die den Willen und die Fähigkeit zur Selbsthilfe schwächt.

Die Mehrzahl der Armen lebt nicht, wie man annehmen könnte, in den Städten der Entwicklungsländer, sondern auf dem Lande, vor allem in den Dörfern Asiens und Afrikas, in geringerem Umfang auch Lateinamerikas.

Armutsbekämpfung ist eine der wichtigsten Aufgaben von Entwicklungspolitik und -zusammenarbeit: Vorrang haben Maßnahmen,
o die die Armen in ihrer Fähigkeit stärken, sich selbst zu helfen;
o die darauf gerichtet sind, interne gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen so zu verändern, dass Selbsthilfe wirksam wird und selbstorganisierte Entwicklungsprozesse zur Überwindung von Armut tragfähig werden (können).

Relative Armut
kennzeichnet das Wohlstandsgefälle zwischen Industrie- und Entwicklungsländern und innerhalb eines Landes (beider Ländergruppen), zwischen den Regionen und den sozialen Schichten. In den Industrieländern wird relative Armut definiert als der Anteil der Menschen, deren Einkommen unter 50 % eines durchschnittlichen Haushaltseinkommens liegt.

Menschliche Armut

kennzeichnet im Gegensatz zum Begriff "Einkommensarmut" (s. u.) Verarmung in mehreren Bereichen, insbesondere in Bezug auf Entbehrungen, die ein langes und gesundes Leben verhindern, beim Wissen (Bildung), beim menschenwürdigen Lebensstandard und bei der Teilhabe am gesellschaftlichen und politischen Leben.

Einkommensarmut
bezeichnet Verarmung lediglich in einem Bereich, d. h. im Bereich des Einkommens. Einkommensarmut ist zwar ein wichtiger Faktor von Verarmung/Armut, aber nicht der einzige. Der Mangel an Einkommen stellt nicht die Gesamtsumme von Entbehrungen und Mängeln dar, die Armut ausmachen. Für deren Kennzeichnung ist der Begriff der "menschlichen Armut" angebrachter.

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